Freitag, 6. Februar 2015

Nerv

Seitdem wir völlig ab vom Schuss wohnen etwas außerhalb der Stadt wohnen, ist eine Einkaufsmöglichkeit nicht mehr fußläufig. Es hat sich deswegen ergeben, dass ich immer einen Wocheneinkauf unternehme, das Altpapier und die Flaschen wegbringe und deswegen Freitags mit dem Auto fahre (ich hasse alle anderen Autofahrer). Am meisten nervt mich beim Großeinkauf die Sinnlosigkeit des Wagenvollladens, danach alles aufs Band laden, um es dann wieder in eine große Kiste zu packen. Heute morgen stelle ich also meine tausendundeins Sachen aufs Band (inklusive 7 Liter Milch! Wir bräuchten eine Kuh.), innerlich genervt von dem ganzen Kram, kurz davor mich beim Kassierer für die vielen Sachen zu entschuldigen, als hinter mir mich tatsächlich eine ältere Dame mit den Worten anspricht."Na, haben Sie uns auch noch was übrig gelassen?" Oh man! Sie hat es vielleicht lustig gemeint, keine Ahnung, ich fand es jedenfalls total unlustig.

Auch nervig war diese Woche, dass das kleine Lieschen nachmittags fast die ganze Zeit weint. Sie quietscht dabei in den höchsten Tönen, lässt sich vom Papi gar nicht beruhigen und ist nur auf meinem Schoß zufrieden (wo sie dann noch ganz oft schluchzen muss, das ist niedlich). Dabei ergibt sich dann ein Problem. Sie würde gerne irgendwas machen, spielen oder so, windet sich, ich lasse sie runter, aber - oh nein - da ist sie nicht mehr auf Mamas Schoß - buäääh. Beim Abendbrot klettert sie gerne mitten auf den Tisch, ist ein kleines Stehaufmännchen, wenn wir sie wieder hinsetzen und möchte gerne mit ihren beschmierten kleinen Händchen auch auf meinen Schoß, der aber schon von Le Petit besetzt ist. Letzten Endes steht sie an meinem Stuhl und weint, weil ich sie nicht hochnehme. Ich müsste mich ja sehr geehrt fühlen, dass meine Kinder meine Nähe so mögen, aber irgendwie ist es doch ein wenig nervig, wenn ich sie dann nicht befrieden kann, weil sie nur mich allein wünschen ohne das Geschwisterchen. Manchmal würd ich gern alleine Abendbrot essen.
Aber dann würde mir das niedliche, neugierige Gesichtchen der Kleinen fehlen und die lustige Sprüche und das Rumgekasper des Großen. Na und mein Mann würde mir sowieso fehlen.

Kommentare:

  1. Ein Text voller ehrlicher Mühsalsseufzer über die alltäglichen und allen Eltern wohlbekannten Schattenseiten des Kinderhabens - er hat trotz allem ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert, weil zwischen den Seufzern so viel Wärme hindurchstrahlt! :-) Ich freu mich immer, von euch zu lesen!
    Ich hoffe sehr, es nervt dich nicht, wenn ich kurz aus dem "Nähkästchen" plaudere...? Falls doch, gib mir bitte eine genervte Antwort! ;-)
    Wenn es gerade beim Essen immer wieder um den Platz bei Mama geht, könnte das eine der Situationen sein, wo man mal zu gewissen großmütterlich-erprobten Methoden greifen dürfte: "Beim Essen sitzt niemand auf Mamas Schoß!" Ich nehme an, es gäbe ein paar Tage lang vermehrtes Geschrei und (du dürftest dich davon aber nicht sichtbar beeindrucken lassen) dann wäre es wohl klar. Extrakuscheln wenn nötig hinterher.
    Ich kannte eine alte Pfarrfrau, Mutter von neun Kindern, eine gescheite und herrlich humorvolle Frau, die mir versicherte, sie hätte die Jahre mit ihren kleinen Kindern nicht überlebt, wenn sie die Säuglinge nicht baldigst ans Durchschlafen gewöhnt hätte: spätestens nach einigen Nächten sei immer Ruhe gewesen. Ich habe es bei meinen Kindern ganz anders gemacht (mit mir ins Bett genommen), aber natürlich habe ich das gute Gefühl mit unruhigeren Nächten (Stillen, Wickeln) bezahlt. Für mich war es richtig so, aber als die Kinder größer wurden, habe ich schon auch mal großes Gejammer in Kauf genommen, wenn ich innerlich sicher war, dass ich eine Sache so und nicht anders haben wollte. Das Schwierigste dabei ist, selbst kein schlechtes Gewissen zu haben, weil man für sich selber sorgt...!!
    (Deshalb war, auch bei den großen Kindern, nachts Weinenlassen für mich immer tabu: das hätte ich nie ertragen können).
    Viele liebe Grüße und einen extra für das "Quietschlieschen",
    Brigitte

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    1. Liebe Brigitte, ich freue mich immer sehr über deine Kommentare und erst recht über deine Nähkästchenplauderei! Solche Geschichten zeigen mir, dass es bei anderen Familien ganz genauso ist. Eigentlich weiß man das ja, aber es ist immer schön, das noch einmal explizit zu lesen und zu hören.
      Bitte gerne weitere Geschichten und Tips =)
      Liebe Grüße,
      Kathrin

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  2. Manchmal würde ich gerne... ABER ich könnte gar nicht ohne meine Lieben!
    Ganz genau! Solche Geschichten ermutigen mich ja nicht gerade was das Mamasein von Zweien betrifft. Aber die Aussage zwischen den Zeilen, die Liebe darin und auch die Freude, die machen das dann doch irgendwie schön.
    Herzlichen Gruß von einer, die sich (fast) hochschwanger und erkältet gerade um die Wocheneinkäufe (per Fahrrad) drückt (und das geniesst).

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