Freitag, 31. Mai 2013

Die Blinde

Wenn ich morgens mit dem Rad zur Arbeit fahre, kommt nach unserem Viertel direkt an eine sehr große Kreuzung. Heute morgen konnte ich beobachten, wie auf der anderen Seite eine blinde Frau ihren Weg zur Fußgängerampel suchte. Es schaltete auf Grün. Die Frau war nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig und wäre nach den nächsten Metern auf eine Begrenzung gestoßen. Da habe ich beobachtet, wie eine andere Frau kurzerhand einen kleinen Schlenker machte, die Blinde freundlich ansprach, sich bei ihr einhakte und sie über die Straße führte. Das fand ich sehr bewundernswert und es hat mich sehr erfreut. Ich habe noch ein bisschen überlegt wieso eigentlich. Ich glaube, ich hätte leider nicht den Mut der Frau gehabt, die Blinde anzusprechen und ihr zu helfen. So ein Quatsch eigentlich! Wieso sollte ich für so etwas Mut besitzen? Dennoch, ich glaube, ich hätte peinlicherweise anders gehandelt. Sehr schade!
Sollte ich demnächst einmal in so eine Situation geraten, dann helfe ich hoffentlich ebenfalls kurzerhand. (Oder hätte die Blinde lieber selber über die Straße gefunden?)

So, jetzt regnet es wieder. Mal sehen,  ob ich heute Abend mal ohne nasse Schuhe nach Hause komme. Heute habe ich Gummistiefel mitgenommen zum Fahrradfahren (Regenhose und -jacke halten zum Glück dicht).

Kommentare:

  1. Ja, solche Situationen haben mich auch schon manchmal etwas überfordert. Man würde gerne helfen, fürchtet aber, aufdringlich zu erscheinen. So wie du es schilderst, hat die helfende Frau es genau richtig gemacht: die Blinde nicht kurzerhand "abgeschleppt", sondern vermutlich einfach gefragt, ob sie ihr helfen soll. Diese Erfahrung habe ich im Laufe der Zeit auch gemacht: dass sich die meisten Situationen klären lassen, wenn man keine langen Vermutungen über richtig oder falsch anstellt, sondern nachfragt, was der andere gerne hätte. (Und ein eventuelles "Nein, danke" dann auch nicht als Zurückweisung empfindet).

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    1. Da hast du recht, einfach mal fragen, statt ewig zu überlegen! Und sich durch ein 'Nein.' nicht zurückgewiesen fühlen, ist auch wichtig. Wohlmöglich meint es ja auch manchmal ein bisschen zu gut.
      Liebe Grüße,
      Kathrin

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